Berlin, den 6. Juli 2026: Warum die REZ sich für das Nachrangdarlehen des Windparks Korschenbroich engagiert? Weil wir das eine gute Idee finden und weil der Windpark eben auch Vertrauen verdient, gerne beteiligt und dazu auch noch Geld braucht. Reine Nettigkeit ist auch dieses Nachrangdarlehen nicht.
Von Strom aus der Steckdose und den Kosten der Bequemlichkeit
Drehen wir uns doch ein bisschen im Kreis (der Kopf ist rund …).
Ja, sicher, Geld ist Vertrauenssache. Na, eigentlich nicht, weil Geld ist einfach nur Geld. Aber wenn es um Geld geht, geht’s immer auch und mindestens ein bisschen um die Existenz, zumindest bei den meisten Leuten. Ähnlich ist es mit der Energie: Strom kommt aus der Steckdose, Gas aus der Leitung, Öl aus dem Tank, soll nicht viel kosten, aber Heizungen und Wasser heiß machen, Lampen, die Kochplatte und den Fernseher betreiben. Ohne das sähe es halt dunkel aus, im Winter wird’s kalt und die Brötchen backt mir auch keiner auf.
Für die Energiethemen haben wir nach Braunkohle, Erdgas (beides endlich und schlecht fürs Klima, wer‘s leugnen will, soll‘s tun) und Kernenergie (vielleicht doch gefährlich? Trotz deutscher Ingenieurskunst?) eine Lösung, die noch nicht perfekt ist, aber an der viele Leute mit viel Engagement arbeiten – und ja, auch Geld verdienen. Manche auch viel, aber das tun die dann anderswo auch.
Die anderen aber haben damit ihr Auskommen und können etwas zum Beruf machen, womit sie sich identifizieren können. Sie machen das gern und sie sind der Ansicht, dass Strom aus Wind oder Sonne zu machen eine gute Sache ist.
Nun hat aber die Energiewende – so heißt das – eine Konsequenz, die tatsächlich für beinahe alle in der Republik unübersehbar ist.
Als die Kraftwerke noch unsichtbar waren
Um ein bisschen auszuholen: Früher gab‘s ein großes Loch im Rheinland und ein großes Loch in der Lausitz. Was da rausgeholt wurde, wurde direkt nebenan verbrannt und es wurde Strom draus gemacht. Dann gab‘s noch ein paar Steinkohle- und Kernkraftwerke weit über‘s Land verstreut, ein paar Gaskraftwerke kamen hinzu. Ja, sicher, die Gaskraftwerke waren schon näher an den Städten, aber Frimmersdorf hat man von Köln aus schon nicht mehr wirklich gesehen, vielleicht in der Ferne ein paar malerische Dampfsäulen. Schwarze Pumpe kam erst hinter der Elbe, und das Kraftwerk Zschornewitz stand mitten im Dorf.
Aber dass es eine industrielle und zentralisierte Energieproduktion gab, die dafür sorgte, dass in Deutschland – Ost wie West – jeder einigermaßen bequem mit Energie versorgt wurde, war so selbstverständlich, dass Kosten und Aufwand keinem so recht bewusst waren. Das war dann irgendwann aber allen klar, die nicht weggeschaut haben.
Und unter anderem deshalb wurde seit den 1990er Jahren das System umgestellt. Seitdem übernehmen nicht wenige große (auch „schmutzige“), sondern viele kleine (auchnnoch „saubere“) Anlagen die Energieerzeugung, die dann auch gut im Land sichtbar sind, Windkraftanlagen, Solarparks, aber auch Biomassekraftwerke stehen überall herum.
Wer Lasten trägt, soll auch profitieren
Ja, auch das sind industrielle Anlagen, und ja, sie sind überall. Aber wer eine saubere Energieversorgung will, muss das in Kauf nehmen. Der Blick ist dann eben auch manchmal verstellt, Flächen werden anders genutzt usw. Wege und Standorte werden verstärkt. Und das eben nicht nur da, wo es keinen stört, sondern auch da, wo es auffällt, lästig ist oder sogar stört. Das ist eine Belastung, aus der es aber einen Ausweg gibt: Wer Lasten trägt, soll Ausgleich haben. Und da kommt die Bürgerbeteiligung ins Spiel.
Für die gibt es viele Varianten, von denen viele auch mit Geld zu tun haben. Den Vorwurf nämlich, dass die einen das Geld verdienen, die anderen aber alles aushalten müssen, wollen die Erneuerbaren nicht auf sich sitzen lassen. Und deshalb wird umverteilt.
Etwa durch direkte Beteiligungen, durch Sparprojekte, durch geförderte Anrainerstromtarife und durch Nachrangdarlehen. Unterscheiden kann man dabei zwei Grundkonzepte. Selbst die Umlage, die das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG gibt’s seit 2000) vorsieht, gehört dazu. Aber die kommt nur der Gemeinde zugute, und das ist vielen Leuten zu indirekt gedacht, weil sie die Effekte nur sehr indirekt zu spüren bekommen.
Bei den direkten Beteiligungsmodellen gibt es die Formen, bei denen man Geld mitbringen und Risiken hinnehmen muss, also direkte Beteiligungen oder auch Nachrangdarlehen. Oder die, bei denen es kein Beteiligungsrisiko gibt, das Geld wie bei Sparmodellen durch den Bankensicherungsfonds abgesichert ist oder man einen geförderten Stromvertrag mit seinem Versorger abgeschlossen hat.
Chancen und Risiken
Nachrangdarlehen gehören nun zur ersten Gruppe: Man muss Geld mitbringen, kann aber in einem Bereich bleiben, den sich auch kleinere und mittlere Einkommen leisten können. Zwischen 500 und 25.000 Euro darf man da einlegen. Die Zinsen werden gewährleistet, und solange das Projekt, welches das Nachrangdarlehen gewährt, sauber durchgeführt wird, sollte den Geldgebern nichts drohen.
Garantieren kann das nun keiner, passieren kann immer mal was: wenig Wind, Kosten schießen davon, Havarien, die zu Anlagenstillständen führen, oder gesetzliche Rahmenbedingungen werden geändert. Das soll und kann man nicht kleinreden, aber das sind Risiken, mit denen der Betreiber eh leben muss. Und leben kann.
Im Unterschied zum Betreiber aber hat der Nachrangdarlehensgeber die gute Chance, dass er einen festen Zins ausgezahlt bekommt, der deutlich über dem liegt, den man absehbar auf Sparkonten bekommen kann. Das muss man abwägen.
Wir sind der Meinung, dass man überhaupt erst einmal solche Möglichkeiten haben muss, um sie wahrzunehmen oder abzulehnen. Und naheliegend: Nachrangdarlehen sind keine Sparprojekt, die im Bankensicherungsfonds gesichert sind. Nachrangdarlehen sind dann nicht das Richtige. Mit ihnen würde man Rücklagen, von denen man vielleicht irgendwann leben muss, ins Risiko stellen. Das aber sollte man nicht tun, auf keinen Fall, wenn man sich nicht leisten kann, solche Gelder zu verlieren.
Was uns überzeugt
Und deshalb werden wir sehr laut für die Projekte werben, an denen wir dann in der Betriebsführung beteiligt sind. Leute, hier sind Chancen, schaut sie euch an, und wenn‘s passt, freuen wir uns. Wir tun unseren Teil, damit das Projekt gelingt, und dann haben alle was davon. Und das ist etwas, was wir sehr schätzen.
PS: Die MLK bietet derzeit mehrere Projekte an, beginnend beim Nachrangdarlehen Korschenbroich mit zwei Laufzeiten, 5 und 8 Jahre, und zwei Zinssätzen, 4,5 und 5 Prozent.
Infos unter:
